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Das Alte Rathaus

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Lange Straße 12
49356 Diepholz

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Altes Rathaus

Altes Rathaus

Die Geschichte der Diepholzer Rathäuser ist eine Chronologie über sechs Jahrhunderte. Mühselig war das Leben unserer Altvorderen am Rande des behebenden Bruchwaldes - des "Divbroc", aus dem später Diepholz wurde.
Auch der höfische Glanz der Residenz hielt sich, in vom chronischen Geldmangel gezogenen, engen Grenzen.
Es bedurfte großer Anstrengungen, die Abseitslage zu überwinden und sich dem beginnenden "Fernverkehr" als Rastort und dem Nahverkehr als Marktort anzubieten.
Als die Siedlung vor der Burg vom Edelherren Johann III. 1380 das Stadtrecht erhielt, gewann das Gemeinwesen eine gewisse Selbständigkeit.
Ob die junge Stadt allerdings bald ein Rathaus erbaut hat, wissen wir nicht.
Es ist aber zu vermuten, denn es wäre schon eigenartig, wenn die Bürger, die stolz auf ihre Stadtgerechtigkeit waren, 200 Jahre kein Rathaus besessen hätten.

1599 jedoch - und da setzt unser gesichertes Wissen ein - sind ein Rathaus und auf dem neuangelegten Friedhof eine Kapelle errichtet worden, wie ein Schriftstück aus dem Diepholzer Pfarrarchiv ausweist.
Bauherren waren damals Johann Kenneweg und Cord Dudde.
Dieses Rathaus kennen wir auch vom Merian-Stich aus dem Jahre 1621; es stand quer zur Langen Straße und hatte eine Durchfahrt, die gleichzeitig als Tor diente. Als in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts die neue Poststraße von Nienburg über Sulingen nach Diepholz und weiter nach Osnabrück gebaut wurde, stand das Rathaus mit der engen Durchfahrt im Wege und sollte abgebrochen werden. Dazu erlaubten sich Heinrich Ludolf Albers und der Rat in einem Schreiben vom 4. Juni 1788 an die Königliche Landesregierung in Hannover den "untertänigsten" Hinweis, dass man einen Neubau wegen der großen Armut der Einwohner nicht ohne höhere Hilfe zustandebringe.
Die Antwort der Landesregierung kennen wir nicht, aber das Rathaus wurde abgebrochen.
Für die dabei verkauften Fenster konnten wenigstens 12 Reichstaler und 53 Grote erlöst werden.
Damit wäre vielleicht das Richtfest, nicht aber ein Neubau zu bezahlen gewesen.
Vielleicht sind die Diepholzer aber doch noch "allergnädigster" finanzieller Hilfe von oben teilhaftig geworden.
Ein Kraftakt für die damals, grob geschätzt, 200 Einwohner war es allemal.
Erst ab 1817 läßt sich die Einwohnerzahl genau darstellen.
In jenem Jahr zählte man 2275 Seelen, wie man zu sagen pflegte. Das Aussehen des neuen Rathauses, das noch 1789 errichtet worden sein dürfte, kennen wir von einer Fotografie um 1900.
Es stand wie unser jetzt inzwischen Altes auf der Ostseite der Langen Straße, und zwar südlich des Lohnearmes, der die Stadt im Osten umfloß und zwischen dem Rathaus und dem Grundstück Neumüller in westlicher Richtung zur Hauptlohne lief.
Wir kennen sie als Flöthe, die unser neues Rathaus im Westen begrenzt.
Es handelte sich um einen zweistöckigen Fachwerkbau mit einer Toreinfahrt (mit Radabweiser) und zwei Haustüren. Im Erdgeschoß befand sich eine Wohnung, im oberen Stockwerk (damals zweite Etage genannt) lagen ein 10x10 m großer Ratssaal, die Gerichtsstube, die Registratur und - seit 1873 - auch das Bürger-Gefängnis.
Im Saal fanden die Bürgerversammlungen statt und - mit hoher Wahrscheinlichkeit - alljährlich am Dreikönigstage auch die Wahl des Bürgervorsteher.
Von 1800 bis 1806 diente dieser zudem gottesdienstlichen Zwecken, denn die alte Kirche war im Sommer 1800 abgebrochen worden, und die Neue stand erst Ende März 1806 zur Verfügung. Die Stadtväter waren von jeher bemüht, aus der Rathauswohnung ein möglichst hohes Einkommen zu ziehen.
Daher wandte man sich an gutsituierte Bürger, und zu denen gehörten damals Ratsmitglieder, Ratsdiener oder andere bei der Stadtverwaltung Beschäftigte in der Regel nicht.
Unter den 16 Mietern, die das Rathaus in den 115 Jahren seines Bestehens bewohnt haben, ist denn auch keiner dieser Spezies zu finden. Als der Zahn der Zeit allzu auffällig an dem Gebäude nagte, dessen Giebelseiten übrigens im Gegensatz zu den Wohnhäusern nach Norden und Süden gerichtet waren, fertigte sich die Überzeugung des Magistrats, daß nun ein neuzeitlicheres Rathaus her müsse.
Dazu kam, dass sich eine günstige Gelegenheit bot.
Die Post in Diepholz war nämlich zu jener Zeit in einem Bahnhofsgebäde untergebracht, und als die Eisenbahndirektion Münster das Mietverhältnis mit der Oberpostdirektion Bremen nicht mehr erneuern wollte, die 3100 Bürger des Fleckens sich außerdem das Postgebäude in "der Mitte des Ortes" wünschten, beschlossen die Ratsherren, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
In dem Neubau sollten die zur Erde gelegenen Räumlichkeiten der Post gegen die übliche Miete zur Verfügung gestellt werden, während die erste Etage für die Dienstzimmer, den Raatssaal usw. des Magistrats reserviert wurden. Am 28. Januar 1904 wurde folgerichtig beschlossen, den Verkauf des alten Rathauses auf Abbruch möglichst bald auszuschreiben.
Eineinhalb Monate später teilte Bürgermeister Stüven seinen Ratsherren zwar mit, dass ein annehmbares Gebot nicht abgegeben worden sei, aber am folgenden Tage (es war der 18. März) kam der damalige Höchstbietende, Kaufmann Strahmann aus Barnstorf, wieder und bot 1200 Mark. Dafür erhielt er den Zuschlag.
Albert Strahmann hatte das Rathaus für seinen Bruder Johann Heinrich Strahmann gekauft, der es im April 1904 abbrechen und aus den gut erhaltenen Steinen neben seinem Geschäftshaus in Schwaförden ein Wohnhaus errichten ließ. Damit war der Weg frei für das neue Diepholzer Rathaus, das 1904/05 erbaut worden ist.

Es stellt architektonisch eine Weiterentwicklung des preußisch-deutschen Baustils für Bahnhöfe, Schulen, Rathäuser, Postämter und Kasernen jener Jahre dar.
Der spätere Historizismus zeigt sich beispielsweise in der Anlehnung an mittelalterliche Formen wie Fünfpaß, Erker, Türmchen, an Backsteingotik erinnernden Giebelabschluß, Rundbögen, Korbbögen, gemäßigte Spitzbögen usw. Die glatte Südfront deutet auf einen möglichen Anbau hin, der ja auch vom Hauptgiebel her naheliegt und vom Treppenaufgang her möglich gewesen wäre. Zunächst - und zwar bis 1927 - war der Neubau eher ein Postgebäude mit angegliedertem Rathaus.
Auch die Ortspolizei - der Bürgermeister war Ortspolizeibehörde - war dort untergebracht.
Eigens für diese Aufgabe hatte man im Rathaushof zwei Arrestzellen (mit Donnerbalken) errichtet.
Die oberen Etagen wurden als Wohnungen, u.a. auch für den Ordnungshüter, benutzt.
Im Bereich der heutigen Eingangszone befand sich eine für Pferdefuhrwerke nutzbare Durchfahrt zum Hof.


Der repräsentative Ratssaal (mit seinem inzwischen in den Neubau umgesetzten Buntglasfenster) strahlte bis zuletzt trotz zahlreicher Veränderungen eine schlichte, gediegene Würde aus. Die vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg ständig gestiegenen Aufgaben für die Verwaltung führten schließlich ab den 70er Jahren zu jenen Erweiterungs- bzw. Neubauüberlegungen, die jetzt verwirklicht wurden.

Fritz Schnitgerhans

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